Rheuma - ein Wort für viele Krankheitsbilder

„Reissender, ziehender Schmerz“ – so lässt sich „Rheuma“ am ehesten wörtlich übersetzen. Der schon vor 2000 Jahren verwendete Begriff steht für eine Vielzahl von Erkrankungen, die heute in korrekter Medizinfachsprache als „rheumatischer Formenkreis“ bezeichnet werden. Umgangssprachlich hat sich „Rheuma“ allerdings als Synonym für die rheumatoide Arthritis eingebürgert, eine besonders häufige Rheumaform, die typischerweise die Fingergelenke betrifft.


Im Folgenden soll deshalb unter anderem die rheumatoide Arthritis im Fokus stehen, doch auch die Fibromyalgie als typisches Weichteilrheuma wird ausführlich vorgestellt. Sie ist von grosser Relevanz, gerade in der ganzheitlich-medizinischen Praxis, da viele Patienten mit unklaren chronischen Schmerzsyndromen eine lange Leidensgeschichte hinter sich haben, bevor die Diagnose Fibromyalgie gestellt wird und eine Behandlung entsprechend darauf abgestimmt werden kann.


Grundsätzlich wird unterschieden zwischen Rheumaformen, die die Gelenke betreffen (u. a. verschiedene Arthritisvarianten, Morbus Bechterew), den rheumatischen Erkrankungen der Weichteile wie Muskeln, Sehnen und Bindegewebe sowie denjenigen Krankheiten, die rheumatische Symptome zum Beispiel als Folge von Verschleiss (Arthrose) oder Stoffwechselstörungen (Gicht) hervorbringen.





Fehlsteuerung im Immunsystem


Pathogenetisch liegt bei allen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises eine zu Entzündungen führende Autoimmunreaktion vor, wobei die möglichen Ursachen für ihre Entstehung noch nicht hinreichend erforscht sind. Diskutiert werden Viren, aber auch Impfungen stehen im Verdacht, bestimmte Immunzellen zu einer Fehlsteuerung zu veranlassen. Eine erbliche Komponente scheint ebenfalls eine Rolle zu spielen, ist doch zumindest festzustellen, dass rheumatische Erkrankungen familiär gehäuft auftreten. Die unangemessen reagierenden Immunzellen setzen entzündungsfördernde Botenstoffe, sogenannte Zytokine, frei, die zum Beispiel an der Gelenkinnenhaut, im Knorpelgewebe oder an den Muskelzellen zu inflammatorischen Um- und Abbauprozessen führen. Eine Heilung ist trotz intensiver Forschung nach wirksamen Medikamenten bisher nicht möglich. Im Fokus der Behandlung steht deshalb vor allem die Schmerzlinderung, um die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Bestimmte Massnahmen können immerhin dazu beitragen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.


Rheumatoide Arthritis: Wenn die Finger streiken


Wer beim Stichwort Rheuma an eine Krankheit alter Leute denkt, irrt gewaltig. Denn die Mehrzahl der Patienten mit rheumatoider Arthritis, der häufigsten Rheumaform, erhält die Diagnose zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr. Was mit leichten Schmerzen in den Fingergelenken beginnt – vorzugsweise nachts und in den frühen Morgenstunden –, schreitet unterschiedlich schnell voran. In manchen Fällen sind die Schmerzen zusammen mit einer Schwellung und Überwärmung der Gelenke schon nach wenigen Wochen so stark, dass ohne Schmerzmittel nichts mehr geht. Drei von vier Betroffenen sind Frauen. Worauf diese unterschiedliche Geschlechtsverteilung beruht, ist unklar.


Die Diagnostik orientiert sich neben dem klinischen Bild vor allem an Blutwerten. Erhöhte Entzündungszeichen (Blutsenkung, CRP) sind ein erstes wichtiges Indiz, auch eine entzündungsbedingte Anämie ist häufig festzustellen. Bestimmte Antikörper, der Rheumafaktor, sind bei vier von fünf Betroffenen nachweisbar.


Typische Symptome bei rheumatoider Arthritis sind:

  • Ulnardeviation: Die Finger biegen seitlich nach aussen ab.

  • Schwanenhalsdeformität: Das letzte Fingerglied knickt nach unten weg.

  • Knopflochdeformität: Die Fingerknöchel treten nach oben hervor.

  • Rheumaknoten: An den Streckseiten der Gelenke bilden sich gummiartige Knoten.

  • Lungenfibrose oder Pleuritis

  • Perikarditis

  • Bei Befall der Augen: Skleritis, Episkleritis

  • Sicca-Syndrom (chronische Mund- und Augentrockenheit).


Die Erkrankung schreitet auch bei frühzeitig einsetzender Therapie meist kontinuierlich fort, und nach einigen Jahren zeigen sich fast immer röntgenologische Veränderungen. Um ein selbstständiges Leben lange möglich zu machen, gibt es inzwischen praktische Hilfsmittel, mit denen Rheumatiker die täglichen Dinge im Haushalt gut bewältigen können – vom speziellen Greifhalter für das Besteck bis hin zu elastischen Schnürsenkeln, die nicht jedes Mal geöffnet werden müssen. Gezielte Bewegungsübungen, vor allem im warmen Wasser, wirken einer Versteifung der betroffenen Gelenke entgegen. Im akuten Entzündungsschub werden allerdings Kälteanwendungen meist als angenehmer empfunden.


Fibromyalgie – das Rheuma der Muskeln


Ausserordentlich schmerzhaft ist die Fibromyalgie, diejenige Erkrankung des rheumatischen Formenkreises, die nicht die Gelenke, sondern die Muskulatur befällt. Etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung ist betroffen, wiederum mehr Frauen als Männer. Mit „Schmerzen überall“ kommen die Patienten oft in die Praxen, und es obliegt dem guten Diagnostiker, das Beschwerdebild richtig zu erkennen. Viele Betroffene leiden nicht nur unter den Symptomen selbst, sondern auch darunter, dass ihre Schilderungen nicht ernst genommen oder mit dem Attribut „psychosomatisch“ abgestempelt werden.


Die Druckempfindlichkeit an bestimmten, über den Körper verteilten Punkten, den sogenannten Tender Points, gibt Aufschluss darüber, ob es sich um Fibromyalgie handelt. Gemäss der 1990 aufgestellten Klassifikationskriterien des American College of Rheu- matology handelt es sich um Fibromyalgie, wenn bei elf oder mehr von 18 Tender Points an den Ansatzpunkten von Sehne zu Muskel eine erhöhte Druckschmerzhaftigkeit vorliegt.


Eine nachweisbare körperliche Veränderung an den Muskeln gibt es nicht, auch die Blutwerte bleiben im Normbereich. Weitere typische Symptome, die den Verdacht erhärten, sind Schlafstörungen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, depressive Verstimmung sowie Verdauungsstörungen.


Therapeutisch ist bei Fibromyalgie eine ganzheitliche Herangehensweise besonders wichtig. Zum einen verschlimmern Stress und Ängste die Schmerzen, zum anderen sind die Betroffenen ohnehin oft depressiv verstimmt. Deshalb sollte eine psychotherapeutische Behandlung die allgemein empfohlenen physikalischen Massnahmen wie Massagen, Wärmeanwendungen und Bewegungstherapie ergänzen.


Wie die Schulmedizin behandelt

Rheumatische Erkrankungen sind bisher nicht heilbar. Die Schulmedizin konzentriert sich in der Therapie auf die Schmerzlinderung und ein mögliches Verlangsamen des kontinuierlichen Krankheitsprozesses. Medikamentös kommen nicht steroidale Antirheuma-tika (NSAR, u. a. ASS, Diclofenac, Paracetamol, Ibuprofen) sowie Kortison oral oder als Gelenkinjektion zum Einsatz. Das stark entzündungshemmende Kortison wird in Phasen eingesetzt, in denen die NSAR nicht ausreichen. Aufgrund seiner starken Nebenwirkungen ist es zur Dauertherapie nicht geeignet. Noch relativ neu in der Rheumabehandlung sind Basistherapeutika mit den Wirkstoffen Methotrexat, Sulfasalazin und Chloroquin. Ihr Ziel ist, entzündliche Schübe zu verhindern und die Beschwerden vorübergehend verschwinden zu lassen.


Darüber hinaus nimmt die Bewegungstherapie eine wichtige Funktion ein. Krankengymnastik, Bewegung im Wasser, Ergotherapie und spezielle Sportangebote für Rheumatiker sollen helfen, die Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten und die Blutversorgung der angegriffenen Gelenk- oder Weichteilstrukturen zu verbessern. Eine Ruhigstellung von Gelenken wird weitestgehend vermieden, da auf diese Weise die Versteifung beschleunigt und zudem eine Überlastung anderer Gelenke begünstigt wird.


Die Rolle der Vitalpilze


Ein wichtiger Aspekt einer ganzheitlichen Rheumatherapie ist die Ernährung. Speziell auf die Versorgung mit Mineralien, Vitaminen und Aminosäuren sollte grosses Augenmerk gelegt werden, da diese Substanzen für die Gelenkgesundheit besonders wichtig sind. Auf den Speiseplan von Rheumatikern und von Menschen, in deren Familien Rheuma gehäuft auf-tritt, gehören deshalb Vitalpilze als regelmässige Nahrungsergänzung. Wertvoll macht sie ausserdem, dass einige Wirkstoffe direkt entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken. Von Bedeutung ist auch die regulierende (adaptogene) Wirkung auf das Im- munsystem, das bei Autoimmunprozessen wie dem Rheuma oft gebremst werden muss. So können Vitalpilze sowohl vorbeugend eingesetzt werden, um das Erkrankungsrisiko zu senken, als auch während eines Rheumaschubs spürbar zur Linderung der Beschwerden beitragen.