Reizdarmsyndrom - gestörte Darmbarriere mit Vitalpilzen regulieren

In Deutschland leiden schätzungsweise rund 15 Millionen Menschen am Reizdarmsyndrom (RDS). Das colon irritabile tritt in den letzten Jahren vermehrt auf und macht Betroffenen mit Symptomen wie Verstopfung, Durchfall, Blähungen und Bauchkrämpfen das Leben schwer. Als Ursache vermuten Wissenschaftler eine gestörte Darmbarriere, deren Ursache kontrovers diskutiert wird. Eine Sanierung des Darms mit Vitalpilzen kann in vielen Fällen helfen.


Das RDS ist per Definition eine Kombination aus Bauchschmerzen oder Bauchbeschwerden in Verbindung mit verändertem Stuhlverhalten. Trotz gründlicher Untersuchung finden Mediziner meist keine körperliche Ursache. Können sie andere Erkrankungen wie eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, Tumoren oder Infektionen ausschliessen, lautet die Diagnose dann RDS. Damit diese gesichert ist, müssen folgende Kriterien der S3-Leitlinie (zurzeit in Überarbeitung) der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechsel-krankheiten (DGVS) erfüllt sein:


• Der Betroffene leidet seit mindestens drei Monaten andauernd unter Darmbeschwerden, in der Regel mit Veränderungen des Stuhlgangs.


• Der Betroffene wird in seiner Lebensqualität deutlich

beeinträchtigt und sucht deswegen Hilfe.


• Eine andere Erkrankung wird als Ursache für die Beschwerden

nicht gefunden.


Die Beschwerden variieren von Patient zu Patient. Meist leiden sie unter starken Bauchschmerzen bis hin zu Krämpfen. Diese sind oftmals gepaart mit vermehrter Luftansammlung im Bauchraum. Flatulenz, Diarrhoe und/oder Obstipation, die auch im Wechsel auftreten können, sowie Veränderungen der Stuhltextur sind peinigende Begleiter. Manche Betroffenen entwickeln darüber hinaus das Gefühl, den Stuhl bei der

Darmentleerung nicht komplett absetzen zu können.


Auslöser variieren


Als Ursache werden verschiedene Faktoren berücksichtigt. An erster Stelle ist eine geschädigte Darmbarriere zu nennen. Als Auslöser stehen beispielsweise eingenommene Medikamente wie Antibiotika in Verdacht. Diese zerstören nicht nur die bedenklichen Erreger, sondern auch die lebenswichtigen physiologischen Darmkeime. Es entstehen ungeschützte Bereiche, in die pathogene Keime und Schadstoffe eindringen können.

Als Folge werden Entzündungen hervorgerufen, die das Darmnervensystem reizen und entsprechende Beschwerden verursachen. So ist es auch bei einer ungünstig zusammengesetzten Darmflora mit einem zu hohen Anteil gasbildender Keime. Letztere begünstigen wiederum das Reizdarmsyndrom. Studien belegen auch, dass das RDS insbesondere nach Magen-Darm-Infektionen mit Campylobacter-Keimen auftritt. Diarrhoe ist hier das Hauptsymptom.


Ein weiterer wichtiger Faktor ist Stress beziehungsweise psychische Belastung. Anstehende Klausuren, Bewerbungsgespräche, Antritt einer neuen Arbeitsstelle, Scheidung, Doppelbelastung durch Beruf und Pflege eines Familienangehörigen – die Liste all dessen, was Menschen auf den Darm schlagen kann, ist endlos. Hieran gekoppelt ist häufig eine gesteigerte Aktivität des enterischen Nervensystems, die die Betroffenen spüren, und eine höhere Dichte von Nervenzellen in ihrer Darmschleimhaut.


Leaky-Gut-Syndrom


Das Leaky-Gut-Syndrom zeigt äquivalente Symptome, die zudem in Krankheiten wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Nahrungsmittelintoleranzen und weiteren gipfeln können. Auch hier spielt eine gestörte Darmbarriere eine Rolle. Auslöser ist eine Fehlfunktion der Tight junctions, also der Verschlüsse zwischen den Mucosazellen im Parazellulärraum. Können diese Proteine ihre Funktion nicht ausüben, kommt es zu einer vermehrten Permeabilität

der Mucosa für Stoffe, die die Intestinalbarriere unter normalen Bedingungen nicht passieren können.


Nahrungsmittelintoleranzen


Die oben genannten Symptome äussern sich auch bei Nahrungsmittelintoleranzen. Eine differentialdiagnostische Abklärung in Bezug auf Gluten-, Lactose-, Histamin- und Fructoseunverträglichkeit ist daher besonders wichtig.


Langfristige Therapieoptionen


Das Reizdarmsyndrom bedarf einer längerfristigen Behandlung, bei der der Patient Geduld aufbringen muss. Den Ursachen entsprechend, sollten die Lebens- und Essgewohnheiten auf den Prüfstand gestellt werden. Bei Stress und psychischer Belastung ist ein Ausgleich wichtig. Für den einen kann dies eine sportliche Betätigung sein, für den anderen Entspannungsübungen. Für alle gilt, einige Tipps beim Essen zu beachten. Es lohnt sich, die Nahrung gründlich zu kauen, sich Zeit beim Essen zu nehmen und sich auch nicht durch

Smartphones oder Fernseher vom Essen ablenken zu lassen. Ebenso wichtig ist die regelmässige Nahrungszufuhr und kleine statt grosse Portionen zu wählen. Vorsicht ist bei Hülsenfrüchten geboten, wenn der Betroffene vor allem unter Flatulenz leidet. Für dieje-nigen, die unter Obstipation leiden, kann der Ballaststoffanteil in der Nahrung sukzessive erhöht werden. Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte enthalten sie in ausreichender Menge. Ballaststoffe können auch bei Patienten mit Durchfall sinnvoll sein. Hier sollte aber auf die Ballaststoffart geachtet werden. So eignen sich zum Beispiel Pektine hervorragend dafür. Pektine erhöhen die Viskosität, indem sie überschüssige Flüssigkeit an sich binden.

Dadurch dickt dünnflüssiger Stuhl zu einer festeren Konsistenz ein. Allgemein gilt beim RDS, stark reizende Lebensmittel zu meiden oder deutlich zu reduzieren. Dazu zählen zum

Beispiel Kaffee, Alkohol, Geräuchertes, Gegrilltes usw.


Medikamentöse Therapie


Das Reizdarmsyndrom kann nach genauer Anamnese mit unterschiedlichen allopathischen Medikamenten behandelt werden. Entsprechend den Beschwerden verordnen Ärzte bei Bauchschmerzen und Krämpfen Spasmolytika wie beispielsweise Butylscopolamin. Für

Patienten, bei denen Stress und nervliche Belastung die Ursache ist, können zeitlimitiert diverse Psychopharmaka sinnvoll sein. Prokinetika wie Domperidon oder MCP helfen wiederum bei Magenentleerungsstörungen. Die hier genannten Medikamente wirken zum Teil jedoch nur symptomatisch und haben eine lange Liste nachteiliger Nebenwirkungen.




Vitalpilze im Einsatz

Vitalpilze sind hervorragend zur Nahrungsergänzung bei vielen Beschwerdebildern einsetzbar. Einerseits enthalten sie wichtige Grundnährstoffe wie Aminosäuren, Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Andererseits sind sie therapeutisch aufgrund

verschiedener charakteristischer Inhaltstoffe mit adaptogener Wirkung interessant. Für das Reizdarmsyndrom stehen vor allem die Vitalpilze Reishi, Hericium erinaceus, Chaga und Maitake im Vordergrund. Reishi (bot. Ganoderma lucidum) ist besonders reich an Triterpenen und Ganopoly. Triterpene gehören zu den Lipiden und Steroiden. Hierunter fallen wiederum Steroidhormone, Cholesterol und Ergosterol. Beide Hauptwirkstoffe dieses Pilzes haben antiinflammatorische Eigenschaften. Triterpene regulieren zudem die

Histaminausschüttung. Reishi enthält auch das Nukleosid Adenosin. Adenosin wirkt beruhigend und entspannend auf die Muskulatur. Aus diesem Grund verordnen Mykotherapeuten Reishi immer dann, wenn entzündliche Prozesse im Organismus reguliert werden müssen – was beim Reizdarm- und beim Leaky-Gut-Syndrom der Fall ist. Auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen kann Reishi adjuvant Linderung verschaffen.

Darüber hinaus leistet der Pilz wertvolle Dienste bei der Immunregulation, bei Erschöpfung und bei nachlassender physischer und psychischer Verfassung. Die perfekte Ergänzung zu Reishi ist bei RDS Hericium erinaceus. Charakteristische Wirkstoffe dieses Vitalpilzes sind Polysaccharide und phenolische Verbindungen wie Hericenone, Erinacin A-K, P, Q und R. Hericium erinaceus kann viele biologische Prozesse im Organismus anregen. Vor allem die im Karpophor und Mycel enthaltenen biogenen Phenole haben die Fähigkeit, freie Radikale abzufangen und so chronischen Entzündungen vorzubeugen und Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Erinacine und Hericenone stimulieren den Nervenwachstumsfaktor und unterstützen Nervenzellen bei der Regeneration. Eine weitere Substanz, 3-Hydroxyhericenon F, soll Nervenzellen vor dem Zelltod schützen. Darüber hinaus unterstützt Hericium erinaceus den Körper bei der Entgiftung von Schadstoffen und wirkt vor allem regenerierend auf die geschädigte Mucosa im Gastro-Intestinal-Trakt. Gastritis, Reizdarmsyndrom, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sollten bevorzugt mit diesem Vitalpilz behandelt werden. Die Traditionelle Chinesische Medizin setzt Hericium übrigens seit jeher zur Regulation bei Stress ein. Vermutlich lindert Erinacin auch Schmerzen, da es als Opiat-Rezeptor-Agonist wirkt.


Die stärksten antioxidativen Eigenschaften in der Welt der Vitalpilze hat Inonotusobliquus (Chaga, Schiefer Schillerporling), der sich positiv auf entzündliche Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und Hauterkrankungen auswirkt. Dies verdankt er seiner besonders hohen Konzentration an Superoxiddismutase, welches reaktionsfreudiges Superoxid neutralisiert und so Proteinstrukturen wie die Erbsubstanz vor oxidativem Stress schützt. Charakteristisch ist für den Chaga jedoch die Substanz Betulinsäure, die in der Lage ist in Tumorzellen die Apoptose einzuleiten, ohne gesunde Zellen in Mitleidenschaft zu ziehen. Maitake (bot. Grifola frondosa) enthält Glukane (Maitake-D-Fraktion), Lektine und niedermolekulare

aktive Substanzen (O-Orsellinaldehyd). Die Wirkweise dieses Pilzes liegt unter anderem in der Entgiftung mit Bezug zum Leberstoffwechsel und schützt dieses Organ auch. Zudem hat er eine stark antioxidative Wirkung. In Untersuchungen wurde eine 90 %ige Hemmung der Superoxid-Radikalbildung beobachtet. Glukane verbessern insgesamt die Immunfunktion des Organismus. Zugleich wirken die Hauptinhaltsstoffe dieses Pilzes antiinflammatorisch und werden fast immer auch adjuvant bei verschiedenen Tumorerkrankungen eingesetzt. Auch bei entzündlichen Darmerkrankungen ist Maitake eine hilfreiche Option. Dies

gilt vor allem dann, wenn die Wasserrückresorption und die Motilität reguliert werden müssen. Erfahrungen zeigen, dass bei länger anhaltender Diarrhoe Maitake lindernd wirkt. Dies gilt auch für die Beschwerdebilder Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.


Erfahrungsberichte


Patientin, 45 Jahre, Reizdarmsyndrom seit Jugendalter. Chaga Extrakt 1800mg tägl. brachte bereits nach drei Wochen eine signifikante Besserung. Zeitgleich wurden regelmässige Entspannungsübungen und Yoga eingeführt. Die Ernährungsgewohnheiten waren schon vor Einsatz des Chaga optimiert worden. Nach drei Monaten wurde der Chaga erfolgreich

wieder ausgeschlichen. In vorübergehenden beruflichen Stresssituationen setzt die Patientin den Vitalpilz für wenige Tage ein. Bei Bedarf könnte die Patientin erneut eine Kur mit ihm machen.


Patient, 48 Jahre, Reizdarmsyndrom seit zirka drei Jahren. Blähungen seit vielen Jahren und zweimal Gastritiden in der Vorgeschichte. Beruflich und privat setzt er sich sehr unter Druck. Es wurden Entspannungsübungen empfohlen, ausserdem wurde die Ernährung umgestellt. Dazu bekam der Patient Reishi und Hericium Extrakte verordnet. Bereits nach knapp zwei Wochen verspürte er die ersten Verbesserungen, die sich ständig steigerten. Zeitgleich wurden Nahrungsmittelunverträglichkeiten überprüft. Seitdem Gluten vermieden wurden, hatte der Patient auch nach Absetzen der Pilze nach sechsmonatiger Einnahme nur noch sehr selten Blähungen und keine Reizdarmsymptomatik mehr.


107 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Burnout-Syndrom